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Diskussion / Vortrag
13.09.2010 | 17:30 Uhr
Regionalbüro Lausitz, Senftenberg
Mit Dr. Margrid Bircken (Literaturwissenschaftlerin an der Universität Potsdam, Vorstandsmitglied der Anna-Seghers-Gesellschaft, Vorsitzende der Brigitte-Reimann-Gesellschaft, Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg, Potsdam)

"Anna Seghers: Glauben an Irdisches"

Vortrag und Gespräch in der Reihe "Denkbares & Machbares: Ein linker Gesellschaftsentwurf in der Diskussion"

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gingen Spezialisten daran, die während des Krieges nach einem geheimen Plan versteckten Glasfenster der Sainte Chapelle wieder einzubauen. Diese Pariser Kirche aus dem 13. Jahrhundert ist eines der schönsten Zeugnisse der Hochgotik. Doch noch 1948 waren nicht alle Glasfenster an ihrem Platz. In der großen Politik zeichneten sich bereits neue Konflikte ab. Ein generelles Verbot von Atomwaffen und Forderungen nach Abrüstung konnten sich nicht durchsetzen. Neue militärische Auseinandersetzungen erschienen in dieser zerrissenen Welt wahrscheinlich. Deshalb war die Frage, ob es sich lohne, das wahrscheinlich schönste Fenster – die „Rose“ über dem Eingang – überhaupt einzusetzen.

Doch, so schreibt Anna Seghers in einem Aufsatz: „Wer die Arbeiter in der Sainte-Chapelle fragt, ob die restlichen Glasfenster wirklich noch eingesetzt werden, bekommt die erstaunte Antwort: ‚Gewiß, warum nicht?‘ Sie sind überzeugt, dass der Zeitpunkt nur von ihnen abhängt. Sie sind nur ein winziger, unbedeutender Trupp von Spezialarbeitern. Ihre auf Friedenszeit berechnete Arbeit ist gründlich, fachmäßig und unbeirrt.“ Diese Glaser, so Anna Seghers, tragen mit ihrer Arbeit und Einstellung zu dem bei, was Pablo Neruda in einem Gedicht genannt hat: „Wiedererwecken in flüchtigen Seelen den Glauben an das Irdische.“

Christa Wolf hat diesen und weitere Essays von Anna Seghers 1969 in einem Reclam-Band herausgegeben (Anna Seghers „Glauben an Irdisches. Essays“, Leipzig 1969). Im Vortrag von Margrid Bircken sowie im anschließenden Gespräch soll der Bogen bis ins Heute gespannt werden, wenn es um die Fragen geht, wie realistisch Utopien von einer besseren Welt sein können, trotz des vielen Scheiterns in der bisherigen Geschichte. Margrid Bircken und Gerd-Rüdiger Hoffmann gehen davon aus, dass in diesem Zusammenhang auch über Christa Wolf und ihr jüngstes Buch zu sprechen sein wird.

Kontakt

RLS Brandenburg, Regionalbüro Lausitz
Bärengasse 3
01968 Senftenberg

Telefon: (03573) 6589586
Email: rls-lausitz@web.de

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